Leserbrief von Maren Will
Sehr geehrter Herr Kliemchen,
Leider muss ich Ihrem Leserbrief über das Gendersternchen wiedersprechen.
Gendern in der deutschen Sprache und damit auch im Schriftverkehr im Rathaus in Dieburg ist keinesfalls „orthografischer Unfug“.
Der Weg zu mehr Gleichberechtigung führt auch über Sprache, denn Sprache hat auf uns Menschen eine große Wirkung. Sprache schafft Realitäten. Wir bilden uns unsere Vorstellungen und Meinungen anhand von Bildern, welche durch Sprache hervorgerufen werden.
Eine emanzipierte, gerechte und inklusive Sprache müssen wir gemeinsam erschaffen. Durch Neudenken und vor allem durch kommunales Umdenken. Das Gendersternchen oder andere geschlechterneutrale Formulieren sind ein Anfang. Sie sind sicherlich nicht die beste und hübscheste Lösung, aber es ist ein Anfang und ein Aufbruch in eine gerechtere Sprache – unsere Sprache.
„Wer lediglich nach der Praktikabilität und Ästhetik dieser Möglichkeiten fragt, verkennt den Kern des Bemühens: nach einer gerechteren Sprache zu streben, die weniger ausgrenzt und umfassender ist.“ – Kübra Gümüsay / Unlearn Patriarchy.
Sprache ist ein wichtiges, kulturelles Gut. Wir als Gesellschaft entwickeln uns weiter und das ist in vielen Hinsichten gut und wichtig. Auch Sprache entwickelt sich stetig weiter und auch das ist gut und wichtig. Die Zeit von veralteten Formulierungen ist vorbei. Geschlechtergerechte Sprache reflektiert den Wandel in der Gesellschaft. Die Welt, unsere Rollenbilder und eben auch unsere Sprache verändern sich. Selbst wenn durchs Gendern der Rede- und Lesefluss unterbrochen wird, regt genau das Menschen zum Nachdenken an und hilft damit stereotype Geschlechterrollen und Geschlechterklischees zu überwinden.
Ihre These, dass es für Ausländer schwieriger sei, die deutsche Sprache mit Gendersternchen zu erlernen halte ich für unsinnig. Sprache wird seit Jahrhunderten angepasst und dann in der neuen Form erlernt.- Egal ob als Muttersprache oder Fremdsprache.
Was ich allerdings bedenklich finde, ist, dass ich, als in Deutschland geborene und aufgewachsene Muttersprachlerin und Akademikerin ihren Text 2x lesen musste um ihn zu verstehen. Genau das zeigt wie realitätsfern und nicht zeitgemäß ihr Artikel im aktuellen zeitlichen Kontext betrachtet ist (inhaltlich und sprachlich).
Zur weiteren Information möchte ich gerne wirklich interessante und zeitgemäße Literatur empfehlen, in denen Expert*innen über Gleichberechtigung und das Beenden des Patriarchats schreiben. Als Mann haben Sie in den letzten Jahrzehnten vom Patriachat und auch von sprachlichen Vorteilen für Männer profitiert. Es ist an der Zeit das Patriachat zu verlernen und Gerechtigkeit für alle Geschlechter zu schaffen.
Literatur- Empfehlungen:
„Wir sind doch alle längst gleichberechtigt“ / Alexandra Zykonov
„Unlearn Patriarchy“
„Sprache und Sein“ / Kübra Gümüsay


Kommentar verfassen
Verwandte Artikel
Kontinuität und frischer Wind: Dieburger GRÜNE wählen neuen Ortsverbandsvorstand
Dieburg, 2. September 2026 – Bei ihrer jüngsten Mitgliederversammlung am 2. September 2026 haben die Dieburger GRÜNEN ihren Ortsverbandsvorstand neu gewählt. Mit einer Mischung aus bewährter Erfahrung und neuen Impulsen stellt sich der Verband auf die kommenden politischen Herausforderungen ein.
Zur Vorsitzenden wurde Gerhild Krause erneut gewählt. „Wir sind fest entschlossen, die ökologischen und sozialen Anliegen unserer Stadtgesellschaft weiter voranzutreiben und gemeinsam Veränderungen zu gestalten“, so Krause. Barbara Roos wurde erneut zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Neu als weitere stellvertretende Vorsitzende kommt Franziska Vath hinzu. Damit besteht die Spitze des Vorstands aus drei Frauen, die sich zugleich in der Fraktion der Dieburger Stadtverordnetenversammlung engagieren.
Das Team wird durch folgende Personen vervollständigt:
Gerhild Krause betonte die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements: „Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen ihre Zeit und ihr Wissen der Gesellschaft in dieser Form zur Verfügung stellen.“ Das kontinuierliche Wachstum des Ortsverbands und das Ergebnis der letzten Kommunalwahl als zweitstärkste Fraktion zeigen, dass grüne Themen in Dieburg viele Menschen bewegen. Ein besonderer Dank gilt Christian Grau, der sich aus persönlichen Gründen aus dem Vorstand zurückzieht.
Der neue Vorstand freut sich darauf, die Anliegen der Dieburgerinnen und Dieburger aufzugreifen und sich weiterhin für eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft in Dieburg einzusetzen.
Klimaanpassung in Dieburg: Was wünschen sich die Menschen?
Der vergangene Sommer hat auch in Dieburg gezeigt, wie spürbar die Folgen zunehmender Hitze inzwischen sind. Deshalb wollten wir wissen: Wie erleben die Menschen in Dieburg die Hitze? Welche Klimafolgen machen ihnen Sorgen – und was wünschen sie sich für unsere Stadt?
Am 29. August 2026 haben wir dazu bei einer nicht repräsentativen Umfrage auf dem Dieburger Marktplatz Erfahrungen, Einschätzungen und Wünsche von Bürgerinnen und Bürgern gesammelt.
Die Ergebnisse zeigen eine klare Richtung: Hitze wird zunehmend als Belastung wahrgenommen – körperlich und seelisch. Besonders häufig genannt wurden mehr Stadtgrün und Straßenbäume, Entsiegelung, Schatten sowie Möglichkeiten zur Abkühlung. Auch Wasserknappheit, Trockenheit und der Schutz besonders gefährdeter Menschen beschäftigen die Befragten.
Die Rückmeldungen machen deutlich: Klimaanpassung ist keine abstrakte Zukunftsaufgabe. Sie betrifft ganz konkret die Lebensqualität in unserer Stadt – auf dem Marktplatz, in Wohnquartieren, auf Spiel- und Schulhöfen und überall dort, wo Menschen sich im Sommer aufhalten.
Für uns endet die Umfrage deshalb nicht mit der Auswertung. Wir werden die Ergebnisse weiter beraten und prüfen, wie die Anregungen und Wünsche der Bürgerinnen und Bürger in die politische Arbeit und in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht werden können.
Unser Ziel: Klimaanpassung soll in Dieburg im Stadtbild und im Alltag sichtbar und spürbar werden.
Grünes Sommerfest 2026